Zwischen blühenden Rapsfeldern, Ackerland und Pferdegestüten liegt das Firmengebäude der Climair. Hier in Karben, wo das Rhein-Main-Gebiet schon ländliche Züge annimmt, sitzt der Weltmarktführer für Regen- und Windabweiser von Autos. Es wird gesägt, verformt, gefräst: Es riecht nach Arbeit. In der Produktion und im Lager verdienen 55 Beschäftigte ihr Brot, weitere zehn arbeiten in der Verwaltung.
Die Kunden sitzen in der ganzen Welt: von Algerien über die USA bis nach Japan, ja sogar im Irak. Das mittelständische Unternehmen trotzt der Wirtschaftskrise. Gründer und Geschäftsführer Guido Hommel begründet das Erfolgsrezept philosophisch: “Über die Mauer schauen ist immer besser als gegen die Mauer laufen.”
Krisen habe es seit Start des Unternehmens vor mehr als 30 Jahren immer wieder gegeben: die beiden Ölschocks in den 1970er Jahren oder auch die Zeit nach dem 11. September 2001. Die Karbener handeln jetzt, während nicht wenige in der Branche wie gelähmt auf das Schreckgespenst Rezession blicken.
Schnell reagieren
Climair hat die Zuliefermessen Automechanika in Johannesburg und Istanbul besucht und war bei weiteren Ausstellungen in Leipzig und am Bodensee vertreten. “Aufträge kommen nicht durchs Fenster”, sagt Hommel. Das Unternehmen entwickelt auch in der Krise dauernd neue Patente. Besonders mit Sonnenschutzsystemen wollen sie schon bald kräftig verdienen. Ein Vorteil sei die Firmengröße. Die Karbener reagieren mit ihren 65 Beschäftigten auf Marktveränderungen sehr rasch. In Krisenzeiten wird nicht langwierig auf Halde produziert, in der vagen Hoffnung, vielleicht Abnehmer zu finden. Bricht ein Markt zusammen, sucht man sofort nach Alternativen, neuen Absatzmöglichkeiten.
Um Kurzarbeit kam Climair im Winter zwar auch nicht herum. Doch schnell startete die Firma wieder durch. Die Kurzarbeit wurde vor wenigen Wochen wieder eingestellt. Das Unternehmensziel scheint einfach. “Wir streben kontinuierliches Wachstum an”, sagt Reinhard Krausgrill, Geschäftsführer von Climair. Denn große Sprünge führten oft zu harten Landungen.
Die Karbener bauten ihre Produktion Schritt für Schritt aus. Heute verlassen jährlich 650 000 Wind- und Regenabweiser die Herstellungshallen – Tendenz steigend. Schuldenfinanzierte Investitionen beäugen die Karbener mit Argwohn. Das mache abhängig, zu viele wollten mitreden, und bekanntlich verderben viele Köche den Brei. So schoben sie einen geplanten Anbau erst einmal auf und wollen erst in weniger turbulenten Zeiten die Gesamtsumme von zwei Millionen Euro investieren. Das Grundstück sei gekauft, gebaut werde eben später.
Climair sieht sich in der Region verwurzelt.: “Wir sind zwar international, treten aber nach außen als Hessen auf”, sagt Guido Hommel. Seit mehr als 30 Jahren beliefern sie das Opelwerk in Rüsselsheim. 30 Prozent der Belegschaft ist schon 20 Jahre und länger dabei. Das reicht zurück bis in die Zeit, als Climair sogar in die DDR lieferte und Trabis veredelte.
TÜV-geprüfte Qualität
Vom Lada bis zur Luxuslimousine lautet die Losung. Für fast jedes Auto liefert Climair die entsprechenden Wind- und Regenabweiser. Bereits für Prototypen entwickelt Climair das Zubehör. Kaum ist das Auto dann auf dem Markt, prüft TÜV Rheinland. Was viele Kunden nicht wissen: Regen- und Windabweiser müssen laut Gesetz abgenommen sein, sonst drohen empfindliche Strafen. Das kostet Geld: den Hersteller und auch den Käufer.
Wettbewerb durch Billiganbieter zwingt die Hessen dazu, ständig neue Ideen in Reserve zu haben, am Markt immer eine Nasenlänge voraus zu sein. Sie entwickelten die Lenkradkralle sowie 20 weitere Patente. Dafür brauchen sie keine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Ein Raum und drei kreative Köpfe reichen offenbar aus.